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So liefert Epiqs neuer Service klare Einblicke in regulatorische Risiken

  • 4 Mins

Im Januar 2024 führte Epiq Regulatory Risk Insights™ ein, die Compliance Lösung für Wettbewerbs  und Kartellrecht sowie Wirtschaftskriminalität. Sie unterstützt Rechtsabteilungen dabei, organisatorische Risiken in Echtzeit zu erkennen, zu messen und gezielt zu steuern. Für einen Blick hinter die Kulissen der Entwicklung haben wir Erin Toomey interviewt, Vice President und Managing Director bei Epiq. Sie leitet die Global Investigations Practice Group und verantwortet Regulatory Risk Insights sowie das Compliance Angebot von Epiq.

Bitte geben Sie uns einen Überblick über Regulatory Risk Insights. Was ist die Lösung und welches Problem löst sie?

Erin Toomey: Regulierungsbehörden nehmen Kommunikations Compliance zunehmend in Vergleichs und Deferred Prosecution Vereinbarungen auf. In einem aktuellen Fall musste ein Unternehmen seine Kommunikation über einen Zeitraum von zehn Jahren überwachen. Zudem hat das US Justizministerium 2023 seine Leniency Leitlinien im Rahmen der Corporate Enforcement and Voluntary Self Disclosure Policy aktualisiert. Unternehmen erhalten stärkere Anreize, potenziell rechtswidriges Verhalten frühzeitig offenzulegen. Dazu zählen deutliche Strafminderungen, eine grundsätzliche Annahme der Verfahrenseinstellung sowie Einstellungen auch bei Wiederholungstätern, wenn sie außergewöhnlich kooperieren.
Daten  und KI gestützte Lösungen helfen Compliance Teams, diese Anforderungen proaktiv oder im Rahmen von Vergleichsvereinbarungen zu erfüllen. Sie unterstützen fundierte Risikobewertungen und ermöglichen die Anerkennung von Kooperation durch die Behörden. Auf dem jüngsten ABA White Collar Institute in San Francisco betonte die stellvertretende US Justizministerin Lisa Monaco, wie wichtig Compliance Programme sind, die erkennen können, wie neue Technologien wie künstliche Intelligenz zur Umsetzung oder Verstärkung krimineller Aktivitäten eingesetzt werden.

Warum interessieren sich Unternehmen gerade jetzt für diese Lösung? 

Erin Toomey: Increasingly, we see regulators include communication compliance obligations as part of settlement and deferred prosecution agreements. In a recent agreement, a company was ordered to monitor communications for 10 years as a term of the settlement agreement. Additionally, in 2023 the DOJ provided updated leniency guidance as part of the Corporate Enforcement and Voluntary Self-Disclosure Policy that provides companies with increased incentives when they come forward to disclose potentially illegal behavior early. These incentives include significant reductions in penalties for companies that self-report and cooperate, a presumption of declination, and declinations for repeat-offenders who exhibit extraordinary cooperation. Utilizing data- and AI- driven solutions to meet these compliance obligations proactively or in response to settlement agreements will assist compliance teams in their risk assessments and allow for credit for cooperation with those regulators. At the recent ABA White Collar Institute in San Francisco, US Deputy Attorney General Lisa Monaco emphasized the importance of having compliance programs in place that can detect how disruptive technologies, such as artificial intelligence, might be used to implement or augment criminal activity. 

Welche Technologie bildet die Grundlage von RRI?

Erin Toomey: Regulatory Risk Insights basiert auf Large Language Models, die mit Dokumenten trainiert wurden, die auf potenzielle wettbewerbsrechtliche und wirtschaftsstrafrechtliche Verstöße in Kommunikation und Verhalten hinweisen. Die KI Engine wird von WorkFusion entwickelt, einem Anbieter von Digital Workforce Lösungen zur Automatisierung komplexer Aufgaben in Compliance Organisationen. Die zugrunde liegenden Modelle wurden von Epiq auf Basis eigener fachlicher Expertise und umfangreicher Untersuchungserfahrung weitertrainiert.

Die Modelle können entweder in der Epiq Service Cloud oder im Cloud Tenant des Unternehmens betrieben werden. Über API Schnittstellen analysieren sie E Mails und Chat Nachrichten im Cloud Speicher. Relevante Inhalte werden anschließend in der Regulatory Risk Insights Oberfläche zur weiteren Prüfung bereitgestellt.

Welche Arten von Verhalten erkennt RRI?

Erin Toomey: Die Modelle der Compliance Lösung sind gezielt darauf trainiert, problematische Kommunikation zu erkennen. Dazu gehören Preisabsprachen, Angebotsabsprachen, Preisdiskriminierung, Missbrauch einer marktbeherrschenden Stellung, Gruppenboykotte, Marktaufteilungen, fusionsbezogene Sachverhalte, Kickback Zahlungen sowie No Poach Vereinbarungen. Die Modelle werden zu Beginn jedes Projekts weiter angepasst. Dabei fließen kundenspezifische Beispiele für wettbewerbsrechtliche oder wirtschaftsstrafrechtliche Verstöße ein und werden je nach Anwendungsfall gewichtet, etwa bei Bestechung, Korruption oder vergleichbaren Risikothemen.

Wie entstehen diese KI Modelle? Wie haben Sie die Genauigkeit der Ergebnisse überprüft?

Erin Toomey: Epiq hat synthetische Daten entwickelt, die gezielt Verhaltensmuster, Kommunikationsstile und typische Fragestellungen aus wettbewerbsrechtlichen und wirtschaftsstrafrechtlichen Ermittlungen abbilden. Diese Daten dienen dem Training der KI Modelle. Zusätzlich nutzte Epiq öffentlich zugängliche Beweismittel aus Ermittlungen des US Justizministeriums, um die Modelle zu testen und weiter zu trainieren. So wird sichergestellt, dass Dokumente, die für die regulatorische Bewertung eines Sachverhalts maßgeblich waren, zuverlässig berücksichtigt werden.

Für die Validierung wurden außerdem umfangreiche Datensätze öffentlich verfügbarer Kommunikation bewertet und analysiert. Da Standardtrainings allein nicht ausreichen, trainiert Epiq die Modelle zusätzlich mit konkreten Kundenanwendungsfällen und Beispieldokumenten, sofern verfügbar. Auf diese Weise wird sichergestellt, dass die Modelle belastbare und statistisch valide Ergebnisse liefern.

Welche Disziplinen waren an dem Projekt beteiligt und wie hat das Team zusammengearbeitet?

Erin Toomey: Das Team bei Epiq vereint technologische Expertise mit juristischem Fachwissen. Wir haben die Entwicklung bewusst interdisziplinär angelegt, um einen ganzheitlichen Ansatz sicherzustellen. Zum Kernteam gehören Linguisten, Data Scientists, KI Experten, Juristen, Investigation Berater, Analysten sowie ehemalige Prozessanwälte. Diese enge Zusammenarbeit stellt sicher, dass Technologie, Sprache und rechtliche Bewertung nahtlos ineinandergreifen.

Haben Sie bei der Entwicklung von RRI mit externen Partnern zusammengearbeitet? Wenn ja, mit wem und in welcher Form?

Erin Toomey: Wir haben mit WorkFusion zusammengearbeitet, einem Anbieter von KI basierten Digital Workforce Lösungen, um einen maßgeschneiderten digitalen Worker zu entwickeln. WorkFusion verfügt über eine etablierte Suite digitaler Worker für Compliance Anwendungsfälle wie Geldwäscheprävention, Adverse Media Analysen und Sanktionsprüfungen. Die Kombination aus führender KI Expertise, Large Language Models und einer Plattform zur schnellen Entwicklung digitaler Worker hat die Entwicklungszeit deutlich verkürzt.
Durch die Erweiterung unserer eigenen Expertise um zusätzliche Kompetenzen in den Bereichen Compliance, Linguistik, KI und Softwareentwicklung schaffen wir für unsere Kunden einen spürbaren Mehrwert. Das ermöglicht ein breiteres Leistungsangebot und eine effektivere Umsetzung in der Praxis.

Was hat Sie aufgrund Ihrer Erfahrung dazu motiviert, das Angebot Regulatory Risk Insights bei Epiq zu entwickeln? 

Erin Toomey: In den vergangenen drei Jahren hat Epiq eine erfolgreiche und branchenführende Global Investigations Praxis aufgebaut und erstklassige eDiscovery Leistungen für wettbewerbsrechtliche und wirtschaftsstrafrechtliche Verfahren erbracht, von Fusionsprüfungen bis hin zu strafrechtlichen Ermittlungen. Dabei wurde deutlich, dass unsere Mandanten nach Abschluss wesentlicher Compliance Phasen einer Untersuchung oder nach dem Ende eines Verfahrens weiterhin vor erheblichen Anforderungen standen, für die der Markt noch keine durchgängigen Lösungen bot.
Im Austausch mit Mandanten und anderen Anbietern sahen wir vor allem reaktive oder unvollständige Ansätze zur Erfüllung fortlaufender Compliance Pflichten, die aus unserer Arbeit resultierten. Die Entwicklung robuster und ganzheitlicher Compliance Lösungen war daher ein konsequenter Schritt und adressiert genau den Bedarf, mit dem unsere Mandanten konfrontiert sind.

Erwarten Sie Hürden bei der Einführung dieses Produkts in Ländern mit strengen Datenschutzvorgaben?

Erin Toomey: Datenschutz ist ein zentraler Faktor bei der Abwägung, wie Unternehmen regulatorische Verpflichtungen erfüllen und Risiken proaktiv mit einem robusten, datenbasierten Compliance Programm steuern. Um diese Anforderungen zu unterstützen, kann Regulatory Risk Insights im Cloud Umfeld des Kunden bereitgestellt werden. So verbleiben die Daten vollständig im jeweiligen Mandanten Tenant. Darüber hinaus unterstützt Epiq seine Kunden bei Anträgen auf Legitimate Business Interest. Dazu stellen wir Dokumentationen zu Workflows und konkreten Anwendungsfällen bereit. Das erleichtert die datenschutzkonforme Umsetzung und schafft Klarheit gegenüber internen und externen Stakeholdern.

Wie wird KI Ihrer Einschätzung nach den Rechtsmarkt verändern?

Erin Toomey: Künstliche Intelligenz wird den Rechtsmarkt grundlegend verändern. Gerade im Wettbewerbs  und Wirtschaftsstrafrecht können disruptive Technologien genutzt werden, um unterschiedlichste Formen rechtswidrigen Verhaltens zu ermöglichen, etwa Preisabsprachen, Bestechung oder andere Arten unternehmerischen Fehlverhaltens. Das US Justizministerium hat klar gemacht, dass Unternehmen solche Technologien mit belastbaren Lösungen in ihre Compliance Programme integrieren müssen.

Auch Gerichte fordern zunehmend, dass Anwältinnen und Anwälte ein fundiertes Verständnis dafür entwickeln, wie diese Technologien funktionieren und welchen Einfluss sie auf den Ausgang von Verfahren haben können. KI wird damit zu einem festen Bestandteil moderner Rechtsberatung, Verteidigung und Compliance.

KI gestützte Tools werden die Produktivität von Anwältinnen und Anwälten deutlich steigern, insbesondere bei der Auswertung stetig wachsender Datenmengen. KI übernimmt repetitive und zeitintensive Aufgaben und schafft Freiräume für anspruchsvollere juristische Arbeit. Diese Entwicklung braucht Zeit und eröffnet neue Möglichkeiten, sich weiterzuentwickeln und den steigenden Datenanforderungen wirksam zu begegnen.
In den kommenden Jahren erwarten wir deutliche Kostensenkungen durch den gezielten Einsatz von KI und klarer definierte Anwendungsfälle. Kurzfristig werden vor allem neue Funktionen entstehen, die bestehende Technologien erweitern. Wenn die Branche diesen Wandel aktiv annimmt und weiterhin antizipiert, wie neue Technologien Routinetätigkeiten ablösen können, entsteht ein echter Multiplikatoreffekt. KI wird menschliche Expertise nicht ersetzen, sondern ihre Wirkung gezielt verstärken.
 

Erin ToomeyErin Toomey verfügt über mehr als 19 Jahre Erfahrung in den Bereichen eDiscovery und Compliance mit besonderem Schwerpunkt auf wettbewerbsrechtlichen und wirtschaftsstrafrechtlichen Ermittlungen. Im Laufe ihrer Karriere verantwortete sie die Betreuung von Mandanten und die Umsetzung komplexer eDiscovery Projekte. Dazu zählen die strategische Beratung zur Datensammlung und  verarbeitung, der Einsatz von Technology Assisted Review, komplexe mehrstufige Review Workflows sowie umfangreiche Datenproduktionen.
Sie beriet und begleitete Mandanten aus dem Wettbewerbsrecht und aus globalen Ermittlungen bei direkten Verhandlungen mit dem US Justizministerium und der Federal Trade Commission. Der Fokus lag dabei auf Produktionsstandards, TAR Anforderungen, Fremdsprachenübersetzungen und zeitlichen Vereinbarungen. Neben US Second Requests, anschließenden Gerichtsverfahren und Enforcement Maßnahmen beriet Erin Toomey auch Untersuchungen zu Wirtschaftskriminalität, darunter Betrug, Bestechung, Korruption, Kickbacks und Verstöße gegen den False Claims Act. In den vergangenen Jahren unterstützte sie Mandanten dabei, aus wettbewerbsrechtlichen und wirtschaftsstrafrechtlichen Verstößen resultierende Compliance Pflichten mit datenbasierten Lösungen zu erfüllen und regulatorische Anforderungen umzusetzen. Erin Toomey hat einen Bachelor of Science in Management Information Systems von der Wake Forest University.

Heute leitet Erin Toomey die Global Investigations Praxisgruppe bei Epiq. Dazu gehört neben der Unterstützung von Mandanten bei der Erreichung ihrer Compliance Ziele auch die Verantwortung für die Wettbewerbs  und White Collar Practice Group von Epiq. In diesen Praxisgruppen arbeiten interdisziplinäre Expertenteams, die Mandanten bei der Reaktion auf regulatorische Ermittlungen unterstützen, etwa im Bereich der Fusionskontrolle, bei wettbewerbsrechtlichen Klagen und Untersuchungen sowie bei straf  und zivilrechtlichen Verfahren wegen Wirtschaftskriminalität. Dazu zählen unter anderem Betrug, Anti Bestechung und Korruption, FCPA Sachverhalte, Verstöße gegen den False Claims Act und Exportkontrolluntersuchungen.
In den vergangenen drei Jahren unterstützte das Wettbewerbs  und Kartellrechtsteam von Epiq mehr als 65 Fusionsprüfungen. Das White Collar Team begleitete im gleichen Zeitraum nahezu 50 Ermittlungen.

Der Inhalt dieses Artikels dient lediglich der allgemeinen Information und stellt keine Rechtsberatung dar.

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