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Risikoanalysen mit agentischer KI stärken
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Zentrale Erkenntnis: Agentische KI revolutioniert Risikoanalysen, indem sie über Selbstauskunfts Fragebögen, Interviews und Stichproben hinausgeht und stattdessen reale Daten, Kommunikation, Kontrollen und Arbeitsabläufe auswertet, um Schwachstellen aufzudecken. Diese Risiken können anschließend durch Interviews validiert werden. Agentische KI fungiert damit als Frühwarnsystem für mögliche Compliance Probleme – einschließlich versteckter Risiken, regulatorischer Verstöße oder Reputationsschäden.
In der heutigen, zunehmend komplexen Regulierungslandschaft sind gründliche Risikoanalysen unverzichtbar, damit Unternehmen Schwachstellen frühzeitig erkennen, Compliance sicherstellen und ihre Geschäftsziele erreichen können. Ob zur Vorbereitung auf eine Fusion oder Übernahme oder zur Stärkung laufender Geschäftsprozesse – Risikoanalysen schaffen die Grundlage für fundierte Entscheidungen und eine wirksame Unternehmensführung.
Die Grenzen manueller Prüfprozesse in Risikoanalysen
Traditionelle Risikoanalysen stützen sich häufig auf Interviews, Umfragen und manuelle Dokumentenstichproben – Ansätze, die nur begrenzte Einblicke ermöglichen. Ob bei der Lieferantenqualifizierung, regulatorischen Audits oder M&A Prüfungen: Dieses Vorgehen ist langsam, ressourcenintensiv und von Natur aus eingeschränkt. Zeit und Personalmangel führen zudem dazu, dass Teams nur kleine Stichproben prüfen können – wodurch kritische Probleme leicht unentdeckt bleiben.
Auch die manuelle Vorgehensweise erschwert eine einheitliche Bewertung. Unterschiedliche Prüfer interpretieren Richtlinien unterschiedlich, und menschliche Fehler lassen sich nicht vollständig vermeiden. Die daraus entstehenden Erkenntnisse sind unvollständig, und Schwachstellen können unentdeckt bleiben – was Stakeholdern ein trügerisches Gefühl von Sicherheit vermittelt. Selbst wenn Probleme identifiziert werden, ist es nahezu unmöglich, sie ohne Automatisierung über Hunderte oder Tausende von Dokumenten hinweg zuverlässig nachzuverfolgen.
Compliance mit agentischer KI neu denken
Agentische KI eröffnet einen völlig neuen Ansatz – von der laufenden Compliance Überwachung bis hin zur Due Diligence nach einer Übernahme. Anstatt nur Stichproben zu prüfen, analysieren KI Agenten jede Passage eines jeden Dokuments: von Vertragsklauseln über Richtlinientexte bis hin zu Rechnungspositionen, Auszahlungsdetails und der Kommunikation zwischen Mitarbeitenden mit erhöhtem Risikoprofil und externen Parteien. Sie markieren dabei nicht nur Abweichungen von Richtlinien, sondern erfassen, kategorisieren und fassen sie auch in klarer, handlungsorientierter Sprache zusammen.
So erhalten Compliance Teams einen vollständigen Überblick über potenzielle Risiken, einschließlich bisher verborgener Schwachstellen. Sie wissen genau, wo Risiken entstehen und welche Schritte erforderlich sind, um sie zu adressieren.
Die Bedeutung von Risikoanalysen für den Erfolg nach einer Übernahme
Einer der entscheidendsten Zeitpunkte für eine Risikoanalyse ist der M&A Prozess, insbesondere wenn die Due Diligence nach dem Closing beginnt. Zwar haben die Teams während des HSR Verfahrens in den USA bereits eine Vorab Analyse durchgeführt, um regulatorische Anforderungen und Transparenzstandards vor Abschluss der Transaktion zu erfüllen, doch erst nach Vollzug der Übernahme ist eine gründliche Due Diligence unerlässlich. Sie dient dazu, Compliance Kontrollen zu prüfen, versteckte Risiken aufzudecken und eine reibungslose Integration zu unterstützen.
Laut einem Reuters Bericht ist die globale M&A Aktivität im Jahr 2025 bislang um 10 % gestiegen. Für Chief Compliance Officers (CCOs) bedeutet das eine zunehmende Herausforderung: eine effiziente Due Diligence nach dem Deal und eine wirksame Integration sicherzustellen.
Legal und Compliance Teams stützen sich auf Interviews, Umfragen und manuelle Dokumentenstichproben, um das Compliance Risiko und die Wirksamkeit der Kontrollen des neu erworbenen Unternehmens zu bewerten. Dadurch beschränkt sich die Prüfung jedoch auf einen kleinen Ausschnitt der Richtlinien, Verträge, Rechnungen und Due Diligence Unterlagen und erfordert zudem das Interpretieren von Interview und Fragebogenaussagen „zwischen den Zeilen“. Manuelle Due Diligence nach einer Übernahme ist langsam, arbeitsintensiv und von Natur aus begrenzt.
Mit KI Funktionen bietet sich die Möglichkeit, diesen Prozess deutlich zu verbessern und das Risiko für Legal und Compliance Teams bei der Bewertung neu erworbener Unternehmen zu reduzieren. So bleibt mehr Zeit für die Integrationsplanung und den Austausch mit neuen Kolleginnen und Kollegen aus dem Business.
Praxisnahe Wirkung
Stellen Sie sich vor, Sie übernehmen ein Unternehmen, das mit Hunderten von Drittparteien zusammenarbeitet, die Geräte und Serviceverträge an Kommunen verkaufen. Zusätzlich zu Interviews und einer Befragung würde das manuelle Durchsichten einer Stichprobe von Due‑Diligence‑Unterlagen, Verträgen, Rechnungen sowie Travel‑ and‑Entertainment‑(T&E)-Belegen mehrere Monate dauern. Aufgrund der Komplexität ist es zudem unwahrscheinlich, dass die erwerbende Organisation Kommunikationsdaten in ihre Bewertung einbezieht.
Mit KI Agenten dauert der gesamte Prozess – vom Analysieren unzähliger Datenpunkte über das Identifizieren ungewöhnlicher Aktivitäten bis hin zur umfassenden Bewertung der Compliance Konformität – nur wenige Tage, sobald die relevanten Daten sicher gespeichert sind. Zudem gleicht die KI Informationen in großem Umfang miteinander ab und ermöglicht so die Pflege eines vollständigen Prüfpfads. Jede markierte Abweichung lässt sich exakt auf das jeweilige Quelldokument und den entsprechenden Kontext zurückführen, was das Vertrauen in die Ergebnisse der KI stärkt.
All dies bietet ein klareres und zuverlässigeres Bild des Risikoprofils des übernommenen Unternehmens. Durch den Einsatz von KI verlagert sich das Gespräch weg von szenariobasierten Interviews hin zu Diskussionen über konkrete Ereignisse – oft entfällt damit auch die Notwendigkeit, eine Befragung durchzuführen. Die gewonnene Zeit ermöglicht es Ihnen, mit den Mitarbeitenden des übernommenen Unternehmens in den Austausch zu gehen und einen Integrationsfahrplan zu entwickeln.
Gewinnen Sie Geschwindigkeit und Tiefe – ohne Kompromisse
Einer der größten Vorteile des Einsatzes von KI Agenten in der Due Diligence nach einer Übernahme ist die Geschwindigkeit. Was früher Wochen dauerte, lässt sich heute in wenigen Stunden erledigen.
KI wird nicht müde und lässt sich nicht ablenken wie menschliche Prüfer. Sie verarbeitet Tausende von Dokumenten präzise und konsistent und bringt Erkenntnisse ans Licht, die manuell kaum zu identifizieren wären. Umfangreiche Tests mit den richtigen Tools stellen sicher, dass nichts übersehen wird. Zwar könnten Menschen theoretisch zu denselben Ergebnissen kommen, doch dies würde enorme Zeit und Ressourcen erfordern – bei gleichzeitigem Risiko unterschiedlicher Interpretationen. Die richtige Technologie liefert die Präzision, Konsistenz und Skalierbarkeit, die manuelle Prozesse schlicht nicht erreichen können.
Diese Geschwindigkeit ermöglicht auch eine deutlich tiefere Analyse. KI erkennt Muster in Dokumenten, verfolgt wiederkehrende Probleme und schlägt sogar Bereiche vor, in denen Richtlinien verbessert werden können. Die Agenten decken nicht nur Probleme auf – sie helfen Ihnen auch, deren Ursachen und Zusammenhänge zu verstehen. Gleichzeitig gilt: Verifizierung bleibt entscheidend. Compliance Fachkräfte müssen die KI Ergebnisse prüfen, um sicherzustellen, dass sie zuverlässig sind.
Über die Erstprüfung hinaus: Kontinuierliches Monitoring
Die Vorteile von KI gehen weit über die anfängliche Risikoanalyse hinaus. Sobald der Data Lake eingerichtet ist, laufen KI Agenten kontinuierlich oder in festgelegten Intervallen. Sie überwachen neue Abweichungen, fassen Auffälligkeiten in Echtzeit zusammen, eskalieren relevante Themen und helfen Compliance Teams, potenzielle Probleme frühzeitig zu erkennen.
Damit wird die Due Diligence nach einer Übernahme zu einer fortlaufenden Compliance Strategie. Anstatt abzuwarten, bis ein Problem gemeldet wird, identifizieren Compliance Teams nun proaktiv mögliche Risiken und können diese gezielt adressieren, erkennen und steuern. So reduzieren sie die Risikoexponierung und stärken eine robuste Governance. Viele der identifizierten Beispiele lassen sich zudem in Trainings- und Kommunikationsmaßnahmen integrieren und erhöhen so die Relevanz für Mitarbeitende.
Ein strategischer Vorteil für Chief Compliance Officers
Für CCOs bietet agentische KI weit mehr als nur operative Effizienz. Durch die Analyse großer Datenmengen zur Aufdeckung versteckter Risiken und den Aufbau eines sicheren Datenbestands für kontinuierliches Monitoring ermöglicht KI Compliance Verantwortlichen, fundierte Entscheidungen zu treffen, Transparenz gegenüber Stakeholdern zu schaffen und robuste Compliance Frameworks aufzubauen.
KI Agenten unterstützen Compliance Teams dabei, tiefere Prüfungen durchzuführen, Bewertungen deutlich schneller abzuschließen und Risiken proaktiv zu mitigieren. Das ist kein schrittweises Upgrade – es ist ein grundlegender Wandel in der Art und Weise, wie Compliance umgesetzt wird.
Erfahren Sie mehr über Epiq Compliance Advisory and Technology.

Jerry Kral, Compliance Advisory Leader
Bei Epiq leitet Jerry Kral die Practice für Compliance Advisory und Technology und ist am Epiq Standort in Chicago tätig.
Seit über 25 Jahren unterstützt Jerry als vertrauenswürdiger Berater General Counsel und Chief Compliance Officers dabei, risikobasierte Compliance Programme und entsprechende Infrastrukturen aufzubauen, weiterzuentwickeln und zu optimieren.
Der Inhalt dieses Artikels dient lediglich der allgemeinen Information und stellt keine Rechtsberatung dar.
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